Der Weg zur Cloud

Ich versuche diesen Artikel möglichst technisch neutral zu halten, er ist aber ein ganz klarer Rant gegen den Weg zur Cloud.
Was verstehe ich unter dem Weg zur Cloud. Immer mehr Anbieter von technischen Diensten, reine Software oder auch Hardware, verküpfen ihr Angebot mit einem Cloudangebot. Ein einfaches Beispiel ist Netflix. Begonnen als DVD-Ausleihdienst unterdessen ein Streamingriese. Jedoch gibt es auch andere Beispiele. So gibt es Marken von Überwachungskameras welche nur in die Cloud des Herstellers aufzeichnen können. Eine lokale Aufzeichnung auf einem eigenen Server ist gar nicht mehr vorgesehen.

Aber auch andere Bereiche sind betroffen. So sind immer mehr Computerspiele "always online". Selbst wenn man die Solomissionen oder die Story durchspielen möchte, wird eine aktive Internetverbindung benötigt. Ansonsten starten die Games gar nicht mehr.

Dieser Artikel ist stark durch meine Meinung geprägt. Jedoch sollte jede Person für sich entscheiden, ob sie meine Ansichten und Einschätzungen teilt oder ob die Nachteile die Vorteile überwiegen.

Wieso ist das ein Problem?

Ich sehe verschiedene Probleme, welche ich anhand von Beispielen erläutern möchte.

Hersteller beendet den Support

Solange der Herstellers das Produkt unterstützt, gibt es kein Problem. Das entsteht erst sollte der Hersteller den Support beenden. Am Beispiel der Überwachungskameras erklärt, sind diese nutzlos, sobald der Hersteller seine Server für die Aufzeichnung abschaltet. Als Gegenbeispiel habe wir die Kameraüberwachung unseres neuen Standorts mit alten Überwachungskameras einer Firma erstellt. Diese brauchen keine Herstellercloud und brauchen auch keinen aktiven Support mehr vom Hersteller.
Hingegen sind die cloudabhängigen Kameras nur noch Briefbeschwerer, sobald der Hersteller die Cloud deaktiviert.

Der Hersteller bestimmt das Angebot

Funktioniert ein Angebot nur mit der Herstellercloud, so kann der Hersteller einfacher die Bedingungen ändern. So kann er Teile aus dem Angebot entfernen, welche er nun separat verkaufen kann. Oder gewisse Teile eines Angebots ohne Ersatz einstellen.

Erstes Beispiels sind Streamingdienste. Verliert Netflix die Lizenz für einen Film oder eine Serie, so muss es diesen aus seinem Angebot nehmen. Auch kann Netflix die Kosten erhöhen. Da das Angebot von Netflix unterdessen auf exklusiven Filmen oder Serien basiert, muss man als Konsument den neuen Preis bezahlen, wenn man weiterhin auf diese Medien zugreifen möchte.

Ein weiteres Beispiel ist der Vorfall mit Sony und Studio Canal. So hat Sony "gekaufte" Filme aus den Kundenbibliotheken entfernt, weil die Lizenz zwischen Sony und Studio Canal ausgelaufen ist. Nachzulesen unter anderem bei Heise:

https://www.heise.de/news/Playstation-Store-Sony-loescht-gekaufte-Filme-aus-der-Bibliothek-7166332.html

Ein extremers Beispiel aus Amerika. Der Hersteller von Smart-TVs Roku hat durch ein Update seine Geräte unbrauchbar gemacht, bis der Nutzer neuen Bedingungen zugestimmt hat

https://techcrunch.com/2024/03/05/roku-disables-tvs-and-streaming-devices-until-users-consent-to-forced-arbitration/

Hersteller hält die Daten

Die Hersteller entscheiden, was sie mit den Daten anstellen. Auch sind die Hersteller für die Daten verantwortlich.

So gibt es mindestens einen Vorfall, bei dem ein Hersteller von cloudgebunden Überwachungskameras ein Sicherheitsproblem hatte, welches Nutzern erlaubte, die Aufnahmen und Livebilder von anderen Nutzern einzusehen. Im Detail nachzulesen im folgenden Artikel:

https://www.inside-digital.de/news/ich-fuehle-mich-so-verletzt-kamera-besitzer-wurden-zuhause-beobachtet

Eine Möglichkeit, welche noch nicht eingetretten ist, ist eine Ransomware Attacke auf die Anbietercloud. Dabei würden die Bilder von allen Nutzern verschlüsselt und somit nutzlos. Wenn kleine Firmen ihre Überwachung auf solchen Kameras aufbaut, sind sie auf einen Schlag schutzlos. Da die Kameras nur direkt an den Anbieter streamen, ist ein lokales Backup nicht möglich.

Ist das Internet weg, ist der Dienst weg.

Netflix überträgt die Bilder direkt aus dem Internet. Fällt dieses aus, kann man keine Medien mehr von Netflix konsumieren. Gewisse Streamingdienste erlauben das herunterladen und offline ansehen von Filmen. Dabei muss man aber im vornherein wissen, dass ein Unterbruch ansteht.
Zeichnen die Kameras nur auf die Cloud des Herstellers auf, so unterbricht eine Internetstörung auch die Kameraaufzeichnungen.

In der Schweiz sind die meisten Personen mit stabilem Internet versorgt. Trotzdem gibt es auch bei uns immer wieder Unterbrüche.
Im Bereich Überwachungskamers wäre ein bewusst herbeigeführter Internetunterbruch ein einfacher weg zum die Aufzeichnung zu Unterbrechen.

Was sind die Vorteile?

Ein Vorteil von cloudgebunden Diensten ist die Einfachheit der Benutzung. So muss man nur ein Konto anlegen, die Kamera ans Internet anschliessen und mit seinem Konto verknüpfen. Schon hat man von überall her auf die Kamerabilder Zugriff. Ganz ohne tiefere Technikkenntnisse und aufwändige Konfiguration.
Man braucht keinen Techniker um seinen kleinen Verkaufsladen mit einer Videoüberwachung zu versehen.

Auch muss man nicht mehr einen Film erst bestellen und auf die Lieferung der DVD warten, sondern hat direkt über den Streaminganbieter darauf Zugriff. Auch hat man direkt nach den erscheinen Zugriff auf die neusten Serien und Filme.

Mein Standpunkt

Ich versuche Angebote, welche auf Herstellerclouds angewiesen sind zu meiden.

Ich habe eine altmodische DVD & BlueRay Sammlung, welche ich laufend erweitere. So habe ich nicht direkt auf alle neuen Filme zugriff. Trotzdem kann ich neue Filme vorbestellen, so dass ich sie kurz nach dem Erscheinen zur Verfügung habe.
Auch sind die Preise der Streaminganbieter in der Schweiz höher als in anderen Gebieten. Gegen eine Preisreduktion durch ein ausländisches Konto spricht meine Faulheit und in gewissem Grad auch meine Sturheit. Ist das Angebot nicht zu vernünftigen Preisen direkt verfügbar, so benutze ich Alternativen
Die Kosten eines Film-DVDs oder BlueRays entsprechen dem Basis Abonoment von Netflix, Stand 03.06.2024. Jedoch kann ich theoretisch alle DVDs gleichzeitig schauen und bin nicht auf 1 Gerät eingeschränkt. Alternativ sind die Staffeln von gewissen Serien zum gleichen Preis neu erhältlich. Kommt ein Film oder eine Serie neu heraus, so ist der Preis zumeist höher.
Alternativ können DVDs auch über Secondhandplatfomen oder Flohmärkte besorgt werden. Dort sind sie zumeist zu tiefern Preisen zu erhalten.

Ich habe noch mehrere Serien und Filme, welche ich sehen möchte, welche älter sind. Bis ich diese gesehen habe, werden die Preise von den neuere Filmen gefallen sein, hoffe ich. Wenn ich einen neuren Film sehen möchte, so bin ich auch bereit den höheren Preis dafür zu zahlen.

Mein Fernseher ist ein Smart-TV, jedoch ist er nicht mit dem Internet verbunden. Ich benutze einen Komputer zur Medienwiedergabe.

Bei meinem Arbeitgeber haben wir Kameras in Betrieb, welche ein lokales Aufzeichnen auf eigenen Servern ermöglichen. So haben wir direkte Kontrolle über die Bilder, sind nicht auf eine stabile Internetverbindung oder einen gnädigen Hersteller angewiesen

In meiner Bibliothek befinden sich gewisse Games, welche "always online" sind, jedoch habe ich die im Steam Sale gekauft. Dies ist keine Ausrede. Ich bin mir bewusst, das diese Games von den Herstellern abhängig sind.

Fazit

Es ist jeder Person überlasen, wie sie ihre Kaufentscheidungen trifft. Mir ist völlig bewust, das nicht jeder Mensch fähig ist einen eigenen Aufzeichnungsserver für seine Kameras zu Betrieben oder das Budget für eine eigne DVD-Sammlung hat.

Jedoch sollte man sich der möglichen Probleme und ihren jeweiligen Auswirkungen bewusst sein.

Man kann auch gewisse Masnahmen treffen, um den Problemen entgegenzuwirken, diese erhöhen jedoch den Aufwand.
Man kann Kameras von verschiedene Herstellern einsetzten. Dies reduziert die Auswirkungen eines Ausfalls eines einzelnen Herstellers. Jedoch muss man sich nun um mehr als einen Hersteller und seine Cloud kümmern.

Viele Streaming Nutzer sind unterdessen bei mehr als einem Anbieter. Somit kann der Ausfall eines einzelnen Anbieters durch konsum bei einem anderen Anbieter überbrückt werden. Jedoch sind die meisten Filme oder Serien nur bei einem Anbieter vorhanden. So kann eine angefangene Serie nicht weiter angesehen werden, bis der jeweilige Anbieter wieder nutzbar ist.