Die alten Ingenieure waren nicht blöd

Das ist jetzt nicht wieder so ein Rant: Die alten Ingenieure haben nur mit Stift und Papier Raketen gebaut. Das ist auch extrem eindrücklich und verdient Anerkennung. Es geht mir mehr um die Herangehensweise an gewisse Probleme.
In meinen Studium habe ich einen wichtigen Leitsatzt mitbekommen. "Wenn du beim Programieren deines Mikrokontrollers keine Speicherprobleme hast, so ist dein Mikrokontroller falsch dimensioniert" Dieser Leitsatz soll verdeutlichen, dass man bei einem Produkt, welches milionenfach verkauft wird, ein paar Rappen beim Preis vom Mikrokontroller die gesamten Materialkosten hochtreiben kann und somit den Gewinn des Hersteller schmälert. Dies ist bei einfachen Produkten nicht von der Hand zu weisen. Jedoch gibt es Produkte, wo das auch negative Auswirkungen haben kann. Bei einem einfachen Distanzsensor muss man nur die Rohwerte einlesen und anschliessen die Distanz berechnen. Hat man jedoch ein System, welches auf Kamerabilder basiert und umfangreiche Auswertungen und Analysen direkt auf dem Sensor macht. So kann der Leitsatz eher abträglich sein. So kann eine verbesserte Software eventuell nicht nicht nachgereicht werden, weil der Mikrokontroller nicht genügend Speicher hat. Nun muss der Kunde entscheiden, ob er den Sensor austauscht gegen ein neues Modell oder ob er auf die neuen Fähigkeiten verzichtet.
Tauscht der Kunde den Sensor aus, so werden meistens auch Konkurenzprodukte in Betracht gezogen.  Wenn man nur ein Softwareupdate, am besten kostenlos, installieren muss, stärkt man das Vertrauen des Kunden in das Produkt.

Erster Rant durch, mehr folgen.

Details

Heutzutage begegnen mir oft neue Produkte, welche zwar ihren Zweck erfüllen, jedoch unüberlegte Stellen haben. Ein Beispiel ist der MEssbecher meiner Eltern. Ein günstiges Modell aus Kustoff. Der Henkel ist mit einem U-Profil mit dem Körper verbunden. Da dieses aber zu instabil war, mussten im U-Profil weitere Querstreben angebracht werden. Dies ist an sich kein Problem während dem Gebrauch. Jedoch wird es zu einem Problem, wenn man den Messbecher wäscht. Stellt man ihn verkehrt hin, um ihn austrocknen zu lassen, so ist das Uprofil unten geschlossen und das Wasser kann nicht auslaufen. man kann auch nicht von Hand das U-Profil trocknen, da die Verstärkungen zu eng aufeinander folgen.

Was ich hier aufzeigen möchte, ist dass man heutzutage das Produkt zumeist nicht selber benutzt, das man entwickelt. Dadruch stellt man kleine Details nicht fest, welche die Benutztung erschweren. Die Lösung für das Problem des trocknen wäre einfach. Man müsste nur Löcher im Profil machen, damit das Wasser auslaufen könnte. Da Die Last über die Verstrebungen getragen wird, würden die Löcher den Henkel nicht stark schwächen.

Details sind extrem wichtig bei einem Produkt und können den unterschied zwichen Brauchbar und Grossartig ausmachen. Vor allem im Bereich Software treffe ich immer wieder Software an, welche dinge auf die mühsamst mögliche Art erledigt. Meistens liegt dies daran, dass die Entwickler selber die Software nicht benutzen und somit gar nicht sehen, wie mühsam die Bedienung für den Benutzter ist.
Ich habe selber Systeme entwickelt, wo die Bedienung nicht einfach ist. JEdoch waren die meistens nur für mich gedacht. Daher habe ich keine Zeit in das vereinfachen des Ablaufs investiert, wenn ich wichtigere Aufgaben zu erledigen hatte. Sobald eine andere Person damit zu tun hat, habe ich immer wieder versucht die Sichtweise des Benutzers eiinzunehmen.

Was hat das mit alten Ingenieuren zu tun?

Ich treffe immer wieder alte Designs, egal ob Hard- oder Software an, bei welcher ich erstaunt bin. Egal ob dies die Benutzerführung, kleine Details oder auch das technische Design ist. Leigt das an der besseren Ausbildung oder waren sie im allgemeinen einfach besser? In meiner Meinung nicht. Nur hatte man sich früher öfters die Zeit genommen, etwas richtig zu machen. Auch waren die Firmen hinter den Ingenieuren nicht immer nur auf das Geld bezogen. Jedoch wurden früher unter Zeitdruck auch viel schlecht geplannt / gebaut. Ein Beispiel waren das undichte Schlauchtboot und die fehlerhafte Luftentfeuchtung der Wostok-Kapsel. Um den ersten Mann ins All zu bringen, haben die Russen diese Systeme vernachlässigt, da sie eh nur bei einem Problem wichtig werden. Läuft alles nach Plan, würden sie nicht benötigt werden. Dieses Beispiel soll jetzt nicht die Russen als unfähig ervorheben. In so ziemlich jedem Teil der Erde haben Ingenieure aus Zeitdruck schon halbfertige Systeme gebaut.

Also habe ich gar nicht ein Problem mit den neuen Ingenieuren, sondern mit den heutigen Praktiken, welche Druck auf diese ausführen. Ja und Nein. Ja, ich finde diese Praktiken unnötig bis gefährlich. Jedoch kann ich auch das Managment verstehen, welches zum Teil für den Druck verantwortlich ist. Jedoch müssen die Ingenieure heutzutage auch mehr den Mut haben, hinzustehen und Nein zu sagen.
Auch früher haben dies nicht alle Ingenieure gemacht, das ist mir bewusst. Ich kann nicht sagen, ob das Problem ist, dass man heutzutage schnell als austauschbar gilt und somit nicht dem Chef auf die Füsse tretten möchte oder ob der Druck durch das Managment heutzutage grösser geworden ist. Ist ein System aus der Sicht eines Entwicklers nicht ideal, so sollte man auch diese Meinung nach oben kommunizieren.

Auch haben früher Ingenieure zumeist beim Produkttest mitgearbeitet und somit selber Probleme und unstimmige Details selber erfahren. Heute wird das Testing meistens durch andere Abteilungen gemacht. so sieht der Entwickler das Endprodukt nie und bemerkt daher auch Designprobleme, egal wie klein, nicht.