Scheinheilligkeit bei Open Source

Wer schon andere Beiträge in diesem Blog gelesen hat, merkt vielleicht das ich Open Source Software als den besten Weg empfinge. Dabei kommt es mit nicht direkt darauf an, welche Lizenz benutzt wird. Solange der Source Code allen Interessierten ohne Einschränkungen zur Verfügung steht. Jedoch habe ich bei verschiedenen Gelegenheiten zwei Aussagen / Verhaltensweisen mitbekommen, welche mich stutzig machen.

Was ist Open Source

Bei Open Source Software geht es darum, das man den Source Code, den Bauplan der Software, im Internet veröffentlicht. Zu den berühmtesten Open Source Projekten gehören Firefox und der Linux Kernel.
Aus einer rein wirtschaftlichen Sicht macht Open Source Software keinen Sinn. Man steckt als Firma Geld in die Entwicklung einer Software und veröffentlicht anschliessend den Bauplan. Jeder KV Lehrling kann einem sagen, dass dies keinen Sinn macht. Jedoch sind die Gründe für ein opensourcing des Source Code meistens nicht direkt im wirtschaftlichen Denken verankert. Meistens geht es darum, dass man der Community etwas zurückgeben will.

Auch können die Nutzer bei Open Source Software selber Änderungen vornehmen und diese mit andere Personen teilen. Mehrheitlich verhindert die Lizenz nur, dass die veränderte Software unter einer properitären Lizenz vertrieben wird.

Wie kann man als Entwickler trotzdem Geld verdienen?

Es gibt verschiedene Ansätzte dazu, welche man regelmässig Antrifft.

1 Support

Dabei kann man die Software ohne Einschränkungen kostenlos nutzen. Braucht man jedoch Hilfe bei einem Problem, so kann der Nutzer für den Support zahlen. Viele Firmen bieten auch Supportverträge an, um dem Kunden die Kostenplanung zu erleichtern
Viele Linux Distributionen basieren auf diesem Prinzip.

2 Arbeit

Bei dieser Option hat der Nutzer zwei möglichkeiten, um die Software zu bekommen. Entweder zahlt er dem Entwickler einen Betrag und erhält die lauffähige Software oder man bezahlt nichts und baut die Software mit dem frei erhältlichen Source Code selber.
Dies wird oft bei Software angewandt, welche in grossen Firmen genutzt wird. Die Firmen werden bezahlen, da sie nicht jede Version selber bauen wollen. Jedoch können Privatpersonen die Software selber bauen und nutzen, ohne zahlen zu müssen

Egal welchen Weg man wählt, es ist schwerer mit Open Source Software Geld zu verdienen, als mit einer properitären Software.
Sie auch den folgend Blogbeitrag von Oliver Lambert -> https://virtualize.sh/blog/the-moral-contract/

Meine Probleme

Nun komme Ich auf die Aussagen zu sprechen, welche mich stutzig machen. Dabei werde ich keine Namen nennen. Auch sind mir diese Aussagen bei verschiedenen Gelegenheiten untergekommen. Es gibt also nicht eine einzelne Person oder Firma welche hinter diesen Aussagen stehen.

Geteilte Lizenz

Dabei geht es darum, dass man die Software opensourcen möchte. Jedoch soll eine Lizenz so gewählt werden, dass keine andere Firma die Software einsetzten kann, ohne zu zahlen. Sprich, für den privaten Gebrauch ist die Software open Source, für Firmen ist sie das nicht.

Die gebräuchlichsten Open Source Software Lizenzen unterstützden dies nicht. Im Media Bereich gibt es die Creative Commons Lizenz, welche die kommerzielle Nutzung einschränken kann.

Der Punkt, welcher mich aber mehr nervt, ist dass diese Aussagen von kleineren Teams kommen, welche die Software für den Eigengebrauch entwickeln. Wenn ich privat oder auch im Namen meines Arbeitgebers eine Software kaufe, so gehe ich davon aus, dass sie funktioniert. Habe ich ein Problem, so möchte ich, dass mir schnell geholfen wird.
Wenn die Software nicht das Hauptprodukt der Entwickler ist, sondern nur ein Nebenprodukt der eigentlichen Arbeit könne diese Supportanfragen schnell zu einer grossen Belastung werden. So sollte der Kunde bei Problemen betreut werden und es sollte sich nicht alleine mit dem Problem fühlen.
Auch muss eine Software, welche verkauft werden soll höheren Ansprüchen genügen als ein kleines Tool, welches man für die interne Unterstützung entwickelt hat. Die Benutzter sind meistens geduldiger, wenn man die Software selber entwickelt hat, als wen man dafür Geld ausgegeben hat.

Es gibt im Softwarebereich Doppellizenzierungen. Dabei geht es aber meistens darum, das bezahlende Kunden den Sourcecode verwenden können, ohne die Verwendung oder allfällige Anpassungen öffentlich zu machen.

Künstliche Intelligenz

In den letzten Jahren ist die Künstliche Intelligenz zu einem grossen Thema angewachsen. Mit Github Copilot ist auch eine Variante auf den Markt gekommen, welcher man seine Programmierfähigkeiten stark verbessern kann. Dazu werden Codeabschnitte von einer Künstlichen Intelligenz verarbeitet und welche dann Vorschläge zurückgibt.

Die meisten Nutzer benutzten Modelle von OpenAI, Mistral usw. Dabei werden die Codeabschnitte an die Server der Modellanbieter übermittelt und auf diesen verarbeitet.

An sich ist dies ein extrem nützliches Tool, welches vor allem Einsteigern helfen kann, aber auch erfahrene Programmierer könne sich bei langwieriger Routinearbeit helfen lassen oder diese ganz durch die KI übernehmen lassen.

Mich stört dabei, dass die Modellanbieter mehrfach bewiesen haben, dass ihnen Urheberrechte egal sind, sollange sie Ihre Modelle trainieren können. Beim Github Copilot kann man umschalten, ob sie deinen Code benutzen können oder nicht. Es wird jedoch gestritten, ob es standartmässig aktiviert ist oder nicht. Ich habe kein Github Copilot und kann es daher nicht überprüfen.
Copilot Business oder Enterprise nutzen nach eigener Aussage deinen Code auch nicht zur Verbesserung ihrer Modelle.

Ausserdem würde ich mich nicht darauf verlassen, dass der Code nicht verwendet wird.

Was hat das mit Open Source zu tun. Es ging um Projekte, welche man nicht als Open Source Software veröffentlichen möchte, da sie die wichtigsten Funktionen einer Firma beinhalten und man nicht möchte, das ein Konkurent diese kopieren kann und somit besser wird als man selbst.
Github Copilot wird verwendet, da es den Entwicklern hilft und man ihnen nicht die neusten Tools vorenthalten möchte. Wenn man nun den Fakt anbringt, dass dadurch Github und je nach dem auch die Modellanbieter zugriff auf den Code haben und diesen benutzten können, wird abgewunken. Diese Firmen hätten keine direkte Verwendung für den Code und somit sei es egal, wenn sie zugriff auf diesen haben.

Ich finde diese Sichtweise iritierend. Die grossen Firmen, welche schon viele Bereich unseres Lebens kontrollieren, wird freier Zugang zu unserem Code gewährt. Die breite Öffentlichkeit sieht ihn jedoch nicht, da sie ja den Code nutzen könnte um uns zu Schaden. Das ein opensourcing jedoch auch zu einer Verbesserung führen könnte, weil die Community Verbesserungen oder Features beitragen kann wird meistens vernachlässigt.

Vieleicht ist dies auch kein Problem, da man Github Copilot in ein paar Iterationen der Modelle einfach nach dem Code fragen kann. Dann spielt es keine Rolle, ob der Code vorher veröffentlicht worden ist oder nur Copilot benutzt wurde