Mein Arbeitgeber

 

Ich arbeite für ein schweizer Hilfswerk, welches während der Coronapandemie gestartet wurde.
Wir verarbeiten alte Laptops von privaten Personen oder Firmen, um damit armutbetroffenen Personen eine neue Chance zu geben. Auf die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit möchte ich nicht weiter eingehen. Du solltest ohne Probleme mein Arbeitgeber mit diesen Informationen finden. Auf der Webseite des Arbeitgebers findest du die Angaben dazu.

Die Grösse

Einige Laptops löschen und wieder aufsetzten kann doch nicht so schwer sein. Leider schon. Beim wenig Bestellungen sind es 50 Laptops in der Woche, welche versendet werden müssen. In der Hochzeit, Lehr und Studiumsbeginn im Sommer, kann diese Zahl gerne Richtung 200 pro Woche gehen. Jeder, der schon einmal einen Computer neu Installiert hat, weis welche Arbeit dafür nötig ist. Wir müssen bis zu 200 Geräte an einem Tag installieren und verpacken. Die restlichen Tage der Woche werden benötigt um gespendete Geräte zu löschen und im System zu erfassen.

Die Schwierigkeiten

Durch die Art meines Arbeitgebers und dem Umstand, das wir noch eine ziemlich junge Firma sind, haben wir einige Schwierigkeiten. So habe ich kein riesiges Budget. Im momentanen Jahr, 2024, habe ich ein genügend grosses Budget um grössere Infrastrukturanpassungen vorzunehmen. In der Anfangszeiten hatten wir noch kein Budget, da wir keine Einnahmequellen hatten. So wurde ein alter Tower zum ersten Server. Den ersten Netzwerkswitch, der noch immer im Betrieb ist, haben wir gespendet bekommen. Die Anfangszeit wurde durch das Minimumsprinzip geprägt. Mit möglichst wenig Geld viel heraus zu holen.
Letztes Jahr und auch dieses Jahr stehen wir finanziel besser da. Daher auch die Aufbesserung der infrastruktur.

Das heisst noch lange nicht, das keine Schwierigkeiten mehr vorhanden sind. So ist ein andauerndes Problem meine fehlende Zeit. Als Leiter IT bin ich nicht nur für die Infrastruktur der Aufbereitung sondern auch für die Gebäudeüberwachung und die NAS-Systeme zuständig. Diese werden von der Infrastruktur direkt oder vom Marketing benötigt. Wir folgen dem Motto "Tue gutes und sprich davon". Das benötigt jedoch eine Menge an Bild- und Videomaterial. Um die gemeinsame Arbeit und das Sichern zu erleichtern wird das Material auf einem NAS.
Nebst der Infrastruktur ist auch die Softwareentwicklung und -pflege meine Aufgabe. Das löschen und erfassen geschiet durch eine selbst entwickelte Software. Aber auch unsere Rechnungen werden automatisch durch ein script erstellt. Bestelleingänge werden durch eine Software überprüft und mit den nötigen Information für eine manuelle Überprüfung versehen. Diese Software muss geschrieben und bei Problemen überprüft werden.
Dafür reicht meine Arbeitswoche fast nicht aus. Wir haben leider trotz dem höheren IT Budget nicht das Geld für eine weitere Stelle. Aus firmenpolitischen Entscheidung eine hohe Lohngarantie zu erhalten. Auch wird die Arbeitskraft an anderen Stelle dringender benötigt. So ist es nicht sinnvoll 5 Personen in der IT zu beschäftigen, welche Software und Infrastruktur pflegen, wenn dafür niemand an der Aufbereitung der Geräte arbeitet. eine perfekte IT bringt kein Geld. Jedes aufbereite und versendete Gerät bringt uns Geld.

Das wenige Geld schlägt sich auch in der Wahl der Software wieder. Ich war schon vor der Arbeit hier ein Befürworter von OpenSource und Linux. Dies hat auch die Wahl von Betriebssystemen und sontiger Software beeinflusst. Zum Glück gibt es für jedes Problem eine OpenSource Lösung. Sie sind vielleicht nicht immer so komfortabel wie eine komerzielle Lösung, aber sie erledigen den Job. Unsere meisten Serverworkloads sind ziemlich generisch. Da hilft es, das es Linux Serverbetriebssysteme ohne Lizenzkosten gibt.

Die guten Seiten

Wieso arbeite ich noch dort, wenn alles so schwierig ist. Ich bin mein eigener Chef. Offiziell unterstehe ich dem Gründer und Geschäftsleiter. Jedoch habe ich in technischer Sicht freie Hand, vorallem wenn es nicht mehr kostet. Auch wird nicht erwartet, dass alles 100% von Anfang an funktioniert. Solange das Problem schnell behebbar ist oder nicht das Tagesgeschäft beeinflusst.

Auch habe ich noch bei keiner Arbeit so schnell so viel gelernt. Bevor ich hier anfing konnte ich einen Linux Laptop benutzten. Webserver, NFS oder gar PXE waren für mich Fremdwörter. Nun Betreue ich ein Hypervisor-Cluster mit separatem Speichercluster, mehrere Bareboneserver mit Speziallzwecken und mehrere 1000 Zeilen Code welche alles am laufen halten.

Das gesamte Team ist spitzenklasse und hilft sich gegenseitig aus. Hatte noch nie ein besseres und verlässlicheres Team kennengelernt. Dies liegt zu einem grossen Teil am Gründer. Er lebt es vor und achtet auf jeden Angestellten.